Thinkomat - Die Ideenentwicklungsmaschine

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Gründerblog vor der Gründung. Gefährlich oder nicht?

August 17th, 2007 · 12 Kommentare

Mich bewegt derzeit die Frage, wie offen man vor der Gründung in einem Blog darüber plaudern sollte. Es gibt mit Sicherheit Pro&Contra auf beiden Seiten aber was überwiegt letztendlich? Ist es Typabhängig? Zu gefährlich? Oder ist das alles Quatsch. Ich persönliche bin für eine offene Kommunikation, höre aber des öfteren gegenteilige Meinungen die eher zu mehr Zurückhaltung raten. Beispiele für Blogs vor der eigentlichen Gründung findet man in der Blogosphäre ja jede Menge. Die Idee eines Gründerblogs hat mich schon vor gut einem Jahr verfolgt. Damals hatte ich gerade meinen ersten Blog gestartet und angefangen meine Gedanken in einem Notizbuch festzuhalten.

Ein Pionier auf diesem Gebiet ist für mich der Blog von Edelight. Im August gestartet sind sich die Macher von Edelight selber nicht ganz sicher und schreiben halb ernst, halb Spass von einer leichten Paranoidität die in ihren Köpfen spuckt. Man hat halt Angst das die Idee dann doch geklaut werden könnte, sollte man zuviel verraten. Denoch berichten die Gründer im Vorfeld ihrer Gründung fleißig über Finanzierung, HR, Produkt und allgemeine Entwicklung. Stehts offen, ehrlich und in belustigender Art und Weise. Und ja, es gab sogar eine Blog-Nachhilfe von Robert Basic persönlich. Die ganze Bloggerei und Vorbereitung ging fast vier Monate bis zum Launch Ende November 2006. Und nun? Hat das bloggen dem Startup geschadet? Sind Wettbewerber über die Idee hergefallen und habe es edeleght so richtig gegeben? Das sieht glaube ich anders aus. Es gibt zwar mit sosmart einen Wettbewerber aber in Sachen Innovationen hat edelight nach wie vor die Nase vorn. Und das zahlt sich aus. Inwischen hat sich Burda an dem Unternehmen beteiligt und es sieht ganz nach einem Wachstumskurs aus. Was sagt uns das? Mal sehen. Schauen wir uns einfach noch ein anderes Beispiel an.

Im März diesen Jahres ging Silab mit seinem noname-community blog an den Start. Als er mit dem Bloggen Anfing hatte er noch nicht mal einen Namen für sein Projekt. Er nannte den Blog kurzer Hand noname-community und wollte den Namen zusammen mit der Community entwerfen. Während der Entwicklung gibt er Statusreports, stellt Logoentwürfe vor und stellt Fragen die ihn bewegen zur Diskussion. Auch er macht sich Verständlichwerweise Gedanken über Geheimhaltung, Konkurenz und Ideenklau. Ist aber auch der Meinung, dass es besser ist so früh wie möglich mit der Idee an die Öffentlichkeit zu gehen, um wertvolles Feedback einzusammeln. Hat es ihm geschadet? Schauen wir uns die Fakten an. Beteiligungen in Millionenhöhe hat er noch keine bekommen und Marktführer in dem Segment ist er auch noch nicht. Kenne Silab aber persönlich und weiß, dass er durch seinen Blog schon jede Menge Kontakte (auch mich ;)) und interessierte Investoren kennengelernt hat. Auch wenn sich nicht unbedingt sofort was konkretes daraus ergeben hat, Feedback gab es sicher in Hülle und Fülle. Letztendlich war es auch sein offenes Statement zum Verkauf von Vicinia, dass ihm ein neues Kooperationsangebot gebracht hat, mit dem er sein Baby sogar noch weiter betreiben kann.

Zwei weitere Beispiele sind Ute und ihr Team mit dem 3 founders - One way Blog und die Startupblogger. Die beiden Blogs unterscheiden sich zu den vorherigen eigentlich nur dadurch, dass sie iher Idee noch nicht so recht verraten. Macht dieser Fakt sie deshalb weniger interessant oder lesenswert? Das glaube ich nicht, denn ich lese sie ja regelmäßig. Auch wenn ich die Idee dahinter noch nicht kenne, sind es Menschen die dahinter stehen und ihre Geschichte erzählen. Also kommt es drauf an, wie gut und informativ man berichtet. Beide machen das meiner Meinung nach ganz gut.

Und zu welcher Erkenntniss kommen wir nun? Den Beispielen die ich kenne, hat es offensichtlich nicht geschadet im Vorfeld über ihre Gründung zu sprechen. Im Gegenteil. Ich finde es wichtig seine Tür schon mal ein wenig zu öffnen, damit andere einen Blick hineinwerfen können. Was man alles zeigen will, hängt warscheinlich von der persönlichen Einstellung und Mitteilungbedürfniss ab. Vielleicht ist es ratsam in verschiedenen Stufen zu bloggen. Anfänglich einfach nur ganz allgemeine Erkenntnisse und Entwicklungen ohne groß aus der Ideenkiste zu plaudern. Je mehr dann der eigene Launch des Produktes näher kommt, desto mehr könnte man ja verraten. Der Vorsprung zu eventuellen Ideenklauern ist damit größer und das Risiko sinkt. Wobei, wie groß ist das Risiko überhaupt? Wer klaut den eigentlich Ideen und versucht sie dann umzusetzen? Das müssten logischerweise Menschen sein, denen es an eigener Kreativität fehlt, oder? Wenn dem so wäre, dann müsste man sich eigentlich keine Gedanken machen, da man eh durch die eigene Innovationskraft und Kreativität immer schneller ist als die, die per copy&paste ihr Unternehmen aufbauen. Schwer zu verallgemeinern. Aus der Blogosphäre kenne ich persönlich noch kein negativ Beispiel, bei dem ein über die Gründungsidee bloggendes Unternehmen wegen ihrer offenen Kommunikation den Bach runtergegangen ist. Ein negatives Beispiel der übleren Sorte kann man in der aktuellen Brand eins August 07 nachlesen. Drei Münchener hatte da eine Idee und ein Weltkonzern hat sie ihnen weggeschnappt. Warum? Weil sie bei denen wegen einer Kooperation nachgefragt haben. Also darüber redeten. Wer die Brand eins nicht hat, kann den Artikel im September online nachlesen. Er heißt: “Die Marathon-Männer”.

Wie ist denn eure Meinung zu dem Thema? Kennt ihr Erfolgs- oder Mißerfolgsstories die auf eine offende Kommunikation zurückzuführen sind? Wie sind die Erfahrungen von euch Startupbloggern (edelight, startup.twoday, vicinia, startupblogger) da draußen? Hat es sich gelohnt? Würdet ihr es wieder machen? Empfehlen? Abraten? Würde mich mal über Feedback freuen.

Tags: Gründertipps |

12 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 RW // Aug 18, 2007 at 10:29

    Hallo Marko, die Problematik “wieviel erzähle ich vor Start meines Projektes” ist nicht nur auf Blog`s bezogen, sondern auch auf Businessplan-Wettbewerbe, VC-Events u. ä., welche oftmals genau zu diesem Zweck der Ideenfindung und des Kopierens betrieben werden.

    Geschäftsideen gibt es aber wie Sand am Meer, entscheidend für den Erfolg einer Idee ist die Umsetzung (Vermarktung, Mitarbeiterführung usw.). Ein Gründer(team) kann also auch ganz entspannt über seine Ideen in Blogs plaudern.

    Gründer, welche in der Lage sind “Ideen umzusetzen”, sind auch in der Lage eigene Geschäftsideen zu finden! Wenn diese Gründer dennoch kopieren, dann nur bereits erfolgreiche Konzepte (siehe studivz / facebook), aber kein Konzept, welches sich noch in der Vorbereitungsphase befindet.

    Einen eigenständigen Businessplan zu entwickeln und diesen auch umzusetzen, erfordert ähnliche unternehmerische Eigenschaften. Gründer, welche Geschäftsideen bereits in der Vorbereitungsphase kopieren, scheitern dann meist auch an der Umsetzung ihrer Kopie.

    Wie gesagt aber Vorsicht, bei der Darstellung konkreter Vermarktungsstrategien, Kooperationspartner usw., soweit würde ich in einem Blog vor Start des Projektes nicht gehen.

  • 2 Martin // Aug 18, 2007 at 12:51

    Ich glaube, dass ein Gründerblog nicht schaden kann - zumindest nicht, wenn man die grundsätzliche Idee nicht zu sehr verrät - im Gegenteil: Man sollte es ganz spannend machen (und eher die Wirkung der Idee - für die Welt -verraten): Mit Deinem Beitrag zu “Rent-A-Dog” würde ich sagen, Du bist fast schon zu weit gegangen (habe schon mit der Umsetzung begonnen *grins*).

    Auch die Gründung an sich und die damit verbundenen Probleme (inkl. Lösungen) sind natürlich spannend für andere Gründer (oder Investoren) zu verfolgen - und das verrät ja nichts über das resultierende Produkt an sich.

    Wenn man Glück hat - und entsprechend präsent ist - dann kann ein Gründerblog natürlich entsprechend schon ein Erfolg sein, bevor das Produkt überhaupt am Markt ist - wie z. B. bei edelight oder shoppero. Nicht so gut lief es wohl für sosmart (momentan offline - vielleicht bereiten die die Beta-Phase für Weihnachten 2007 vor).

  • 3 Martin (another one) // Aug 18, 2007 at 17:15

    Erstmal Danke für die Erwähnung und das Lob! :)

    Ich denke nicht, dass wir durch unseren Blog allzu viel verraten. Zu den Stealth-Startups: Bevor es unseren eigenen Blog gab, habe ich natürlich auch schon andere Blogs gelesen. Und ich fand es immer am Spannensten die Blogs zu lesen, die eine Geschichte erzählen. Und es gibt doch nichts Spannenderes als den Aufbau einer Existenz - sei es die eigene oder eine andere.

    Außerdem wir doch von verschiedensten Seiten immer wieder gepredigt, man solle doch seine Geschäftsidee auch von anderen Personen bewerten lassen und Schwachpunkte herausfiltern. Bloß stellt sich immer die Frage, wen man frägt. Wenn ich meine Freundin oder den Unternehmer von nebenan bitte, mir zu helfen, werden sie es einhundert prozentig machen, allerdings wird das Ergebnis mich nicht zufriedenstellen, da die Erfahrung in dieser Branche und mit Startups fehlt. Dieses Know-How finde ich heutzutage nunmal vor allem im Internet. Und man sollte von dem trip dringend runterkommen, dass man DIE Idee hat - wir leben in einer globalisierten Welt. Ich denke, dass irgendwo auf diesem Planeten unter den 6 Milliarden Menschen jemand gerade in diesem Augenblick an derselben Sache arbeitet, an der auch wir arbeiten. Aber ich bin so davon überzeugt, dass wir es mit unserem Team schaffen werden, das Beste daraus zu machen und schlussendlich auch das beste Produkt zu haben.

    Wenn man diese ganzen Sachen zusammennimmt: Know-How das man kriegen kann, die bessere Vernetzung, das Wissen, das man nicht der einzige auf der Welt ist, der eine solche Idee hat und der Spaß an der Sache, dann weiß ich keinen wirklichen Grund, warum man nicht über seine Gründung berichten sollte.

    Warum war denn das Gründertagebuch in der Wiwo so erfolgreich? Weil Menschen, die sich bisher nicht trauen oder nicht können, auch Anteil haben wollen und vor allem mitfühlen wollen, mit Menschen, die diesen nicht wirklich kleinen Schritt wagen. So etwas ist mir allemal lieber, als irgendwelche Menschen zu Hause zu beobachten wie ihr Wohnzimmer eingerichtet wird oder welche Probleme sie mit ihrem Hund haben…

  • 4 Peter // Aug 18, 2007 at 20:24

    Ja, wir würden es wieder machen. Sogar noch konsequenter. Mal abgesehen von den Kontakten und dem Feedback dient es auch der eigenen Reflektion, da man einige Blogbeiträge mit einem “besonderen” Bewusstsein schreibt.

    Ferner ist es in der Tat so, dass nicht die Idee sondern das Team entscheidend ist. Ich muss allerdings zugeben, dass man für diese Erkenntnis ein gewisses Selbstbewusstsein benötigt.

    Und zu letzt: Wir würden uns auch nicht kennen ;-)

  • 5 Marko // Aug 19, 2007 at 10:17

    @RW
    das sehe ich genauso. Leute die schon in der Vorbereitungsphase kopieren, denen wird die weitere Entwicklung des Projektes schwer fallen ohne sich wieder Inspiration woanders zu holen. Die Umsetzung der Idee ist das entscheidende und das kann eben auch nicht jeder gleich gut.

    @Martin
    Sag mir bescheid wenn du mit “RentaDog” an den Start gegangen bist ;)

    @Martin (another one)
    nein, zuviel verratet ihr nicht. Ich weiß nämlich trotz lesen nicht worum es geht ;) Bei einem Vortrag habe ich mal gehört, 1000 Leute haben eine Idee, 100 denken sie weiter, 10 fangen an und einer wird erfolgreich. Ziemlich pauschal aber du hast natürlich recht. We are not alone.

    @Peter
    spätestens zur Gründerszene hätten wir uns dann nicht mehr aus dem Weg gehen können. Kommt übrigens bald ein Bericht über Edelight :)

    Was ich so raushöre, eine gute Idee ist gut. Eine gute Umsetzung mit dem richtigen Team noch besser. Dann steht auch einer öffentlichen Diskussion nichts im Wege. Man muss ja nicht gleich zuviel verraten.

  • 6 www.best-practice-business.de/blog » Immer mehr Gründer berichten über Ihre ersten Gehversuche in verschiedenen Formen // Aug 23, 2007 at 21:35

    [...] Schon deutlich spannender sind Gründerblogs. Die schießen ja derzeit wie Pilze aus dem Boden. Der Thinkomat-Blogger Marko Krause beschäftigt sich in einem aktuellen Post mit den Chancen und Risiken eines Gründerblogs. Sehr lesenswert. Markus präsentiert in seinem Bericht zahlreiche Beispiele für Gründerblogs. Und im Rahmen meiner Newcomr-Business-Blogserie findet ich auch zahlreiche solcher Beispiele, einfach mal hier durchscrollen. Über das überzeugendste Konzept eines Gründerblogs habe ich schon vor knapp zwei Jahren hier im Blog berichtet. Es wundert mich bis heute, dass diese Idee hier in Deutschland noch nicht adaptiert wurde. [...]

  • 7 Nur noch Trigami oder was? | Thinkomat - Die Ideenentwicklungsmaschine // Aug 27, 2007 at 20:35

    [...] Achja. Habe mich übrigens durch das Gründerblog Feedback bestätigt gefühlt und werde jetzt hier im Thinkomaten einiges zum Besten geben. Aber wie bereits gesagt. Erwartet kein VC finanziertes Konzept mit anschließender 100 Mann starken Exitstrategie sondern einfach nur dass, was ich dabei so alles erlebe. Werde zu gegebenen Zeitpunkt auch noch genau erläutern wie ich mir die erste Umsetzung so vorgestellt habe. Derzeit bin ich noch kräftig am recherchieren. Eine Woche hat sieben Tage. Drei davon arbeite ich bei LinkLift. Das ist natürlich ein äußerst angenehmer “Brotjob”. Die restliche Zeit steht zur freien Verfügung und darf im gemütlichen Homeoffice genutzt werden. Das wird sie natürlich auch wie z.B. jetzt zu gemütlichen Piano Klängen des sky.fm Solo Piano Channels. Sehr zu empfehlen. [...]

  • 8 Paul // Sep 18, 2007 at 09:26

    Hi, ich habe vor einige Zeit ebenfalls einen Gründerblog gestartet. Bislang sind meine Erfahrungen noch sehr bei null da ich ebenfalls noch nicht so viel verrate und bislang noch nicht allzuviel Feedback zu den Gründungsfragen bekommen habe… Aber das wird sich ändern hoffe ich sobald ich etwas mehr schreibe. (Kommt die Tage). Fände es insgesamt spannender wenn mehrere Gründer in einem Blog berichten um so die Anzahl der zu lesenden Blogs kleiner zu halten und mehr zur Gründung lesen zu können. Wer also bei mir mitmachen will kann sich gerne melden.

  • 9 Dirk // Jan 15, 2008 at 17:01

    Finde wenn man eine Idee hat die neu ist sollte man darüber nicht in einen Gründerblog berichten, weil sonst hat man schnell Leute die die Idee klauen und dann die Idee eher umsetzen als man selber.

  • 10 Joe Fischler // Jan 15, 2008 at 17:09

    Ich veröffentliche gerade eine Serie zum Thema “Gründung und Businessplan” auf
    http://www.conserio.at

    Freut mich, wenn ich was beitragen kann!
    LG
    Joe

  • 11 Warum eigentlich ein Gründerblog « Puzzlecube // Nov 27, 2008 at 20:09

    [...] sind wir davon überzeugt das ein Gründerblog eine gute Idee ist. Marko Krause hat sich mit einem Beitrag auf seinem Blog mit dieser Thematik beschäftigt und listet auch einige gute Beispiele für erfolgreiche [...]

  • 12 Rainer // Feb 28, 2009 at 21:48

    Hello!

    Ich und zwei Studienkollegen von mir, haben seit ca. drei Wochen auch einen Gründerblog am laufen! Die Thematik, wie viel man preis geben sollte wurde von uns im Team ebenfalls ausführlichst besprochen!

    Wir haben den Schritt gewagt! Wir setzten auf open innovation und gaben unsere Idee der Öffentlichkeit preis. Zu unserer positiven Überraschung gab es nur Vorteile!

    Die Leute können sich dadurch mehr vorstellen und vor allem viel besser und gezielter Feedback geben! Also ich würde sagen, nur zu empfehlen!

    Liebe Grüße

    Rainer

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