Thinkomat - Die Ideenentwicklungsmaschine

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Tipps für erfolgreiche Presse-und Medienarbeit für Gründer

April 29th, 2007 · 6 Kommentare

Letzte Woche war ich ja wie bereits erwähnt auf der deGut in Berlin und hab mir da ein Seminar angeschaut in dem es um Tipps für erfolgreiche Pressearbeit für Startups ging. Der Dozent war Thomas Clark, Journalist und Leiter Unternehmensentwicklung der Financial Times Deutschland. Er ist auch Mitinitiator der Gründerinitiative enable2start der FT. In seinem gut 1-stündigen Vortrag hat er sehr gut rübergebracht worauf es aus Sicht eines Journalisten ankommt wenn man Erfolg haben möchte. Ich hab mir ein paar Notizen gemacht und werde das jetzt mal ein wenig reflektieren und um einige eigene Gedanken ergänzen. Zwei sehr gute Artikel zum Thema Gründer PR hat Sebastian Matthes vom Gründerraum Blog geschrieben.(PR für Gründer Teil 1, PR für Gründer Teil 2)

Um einen Journalisten besser verstehen zu können, sollte man versuchen sich einmal in dessen Arbeitsalltag hineinzuversetzen. Thomas Clark zum Beispiele hat anhand seines Outlooks mal gezeigt was er so in den Postkasten bekommt. In 5 Tagen waren da nach Aussortierung stattliche 79 Pressemitteilungen zusammenkommen. Wir sind auch einige durchgegangen und es waren die abenteurlichsten Sachen dabei. Teilweise gar nicht themenrelevant und damit nicht verwertbar für Herrn Clark. Mal lustig und mal ernst geschrieben, mal viele Info´s und mal kurz und bündig. Die Folge? Es entsteht ein Informations Overflow und der Journalist beginnt mit dem radikalen aussortieren.

Wie so oft im Leben ist da ein persönlicher Draht zum Journalisten sehr hilfreich um in dieser Flut an Mitteilungen, Ereignissen und Gründungen überhaupt noch gehört zu werden. Diesen könnte man über Xing oder andere Kontakte herstellen wobei hier wieder vor einer zweckgebunden Kontaktaufnahme gewarnt werden muss.

Bevor man sich entschließt einen Journalisten zu kontaktieren sollte man:

  • sich in die Arbeit des Journalisten hineinversetzen und Verständnis aufbringen (Info Overflow)
  • versuchen einen persönlichen Draht herzustellen (bloggende Journalisten, Xing oder über andere Kontakte)
  • sich ausführlich über die Zeitung und deren Inhalte informieren um dem Journalisten zu zeigen, dass man es auch ernst meint
  • sich intensiv darauf vorbereiten um den Erfolg zu erhöhen (Was will ich sagen?, Wo macht es Sinn dies zu veröffentlichen?, Wenn sollte ich am besten kontaktieren?, Auf welchem Wege kontaktiere ich denjenigen? usw.)

Warum überhaupt Presse- und Medienarbeit?

Gründe dafür gibt es viele:

  • direkte Kundengewinnung
  • potenzielle Investoren anlocken
  • Lieferanten, Kooperationen etc.
  • Image Aufbau als indirekten Effekt

Welcher Kanäle kann man sich bedienen? Klar:

  • Fernsehen, Radio
  • Zeitung, Zeitschriften, Fachzeitschriften
  • Online-Medien

Jetzt macht es für ein kleines Startup natürlich wenig Sinn wie wild Pressemitteilunge an alle großen Fernsehstationen rauszuschicken. Das wird die nur beilläufig bis gar nicht interessieren. Man muss sich schon gezielt überlegen, was für Medien Sinn machen und welche davon man letzendlich anschpricht. Für Startups sind als erstes Fachzeitschriften und Online-Medien interessant. Man sollte also schauen, was biete ich für ein Produkt an und welche Fachzeitschrift oder Online-Medium (Blog´s, Newsdienst, Online-Mag) könnte mein Thema interessieren. Es ist wichtig nur die Medien und Redakteure anzusprechen, die das Ressort meines Produktes oder meiner Dienstleistung auch interessieren könnte. Das ist kein Garant dafür das es 100% klappt aber verringert schon einmal den anfangs erwähnten Informations Overflow, da der Journalist auch die Info´s bekommt die ihn eventuell ansprechen könnten. Die Financial Times ist z.B. für Gründernews weniger geeignet da es mehr um allgemeine wirtschaftliche Fakten geht. Es wäre vorstellbar wenn die FT mal eine Beilage über Gründungen in Berlin/ Brandenburg herausbringen sollte. Da passt es dann eher.

Welche Mittel der Medien-und Pressearbeit gibt es?

  • Pressemitteilung
  • Pressekonferenz
  • Pressegespräch
  • individuelle Ansprache (Hintergrundgespräche, Interviews)
  • Newsletter
  • Online-Marketing (Blogs, Suchmaschienenmarketing)

Was macht nun aber für Startups Sinn?

Am liebsten hat der Journalist die persönliche Ansprache in Verbindung mit einem Hintergrundgespräch über das Startup. Man sollte also jede Gelegenheit nutzen um mit Journalisten aus dem Ressort Unternehmungsgründung direkt ins Gespräch zu kommen. Möglichkeiten dafür gibt es z.B. auf allen Events die irgendwie etwas mit Gründungen und Gründerthemen zu tun haben. Vielleicht gibt es ja auch die Möglichkeit einmal direkt an das jeweilige Medium heranzukommen (Tag der offenen Tür) oder über Veranstaltungen die gesponsert werden usw. Es ist also alles interessant, was auch für die jeweilgen Journalisten interessant sein könnte.

Auch das Anfertigen einer Pressemappe macht Sinn. Diese kann man dann direkt überreichen oder “am besten” bezugnehmend auf ein vorangegangenes Gespräch dem Redakteur zuschicken.

Diese Pressemappe sollte folgende Sachen enthalten:

  • einen tabellarischen Überblick über das Startup und seine Entwicklung
  • ca. 1 A4 Seite (die ruhig auch locker und witzig geschrieben sein darf, den auch Journalsten sind nur Menschen die sich auch mal über Abwechslung freuen)
  • Name und Foto des AP (Visitenkarte)
  • Lustiger Text über die Gründung (2-3 Seiten, die Geschichte sollte ein Anleinstellungsmerkmal haben, vielleicht gibt es ja einen lustigen Aufhänger wie es zur Gründung gekommen ist oder ein spezielles Ereignis in der Entwicklung etc.)
  • Pressespiegel falls vorhanden (d.h. Liste mit bereits erschienenen Artikeln über das Startup)

In den meisten Fällen reicht auch ein Verweis auf die Webseite. Das ist ja immerhin die größte und beste Visitenkarte die man den Journalisten präsentieren kann. Es ist sowieso ratsam eine eigen Rubrik mit Gründerstory und bereits erschienenen PR Artikel auf der Webseite zu veröffentlichen. Ein gutes Beispiel hierfür bietet die ebuero AG. Die bietet auf ihrer Seite neben einer witzigen Gründerstory Info´s zur Idee von eburo und den Menschen die dahinter stehen. Das ist auf jeden Fall ganz gut verwertbar für Journalisten.

Blogs und Foren sind eine weiter Form von PR die Gründer kostenlos nutzen können und nutzen sollten. Durch einen eigenen Blog kann man (sogar schon im Vorfeld der Gründung, z.B. edelight, vicinia) PR Arbeit leisten und Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Auf diese Art kann man seine Kunden, Lieferanten und Partner informieren und sich auch super ein Netzwerk mit themenrelevanten Bloggern aufbauen um dadurch auch einmal den ein oder anderen Blogbeitrag zu bekommen.

Wer des Schreibens nicht so mächtig oder willig ist der sollte zumindest versuchen in relevanten Blogs in Form von Blog Kommentaren präsent zu sein um auf sein Unternehmen aufmerksam zu machen. Blogs die zum eigenen Unternehmen passen könnten und damit interessant sind kann man in den Top 100 Business Blogs finden.

Ebenfalls interessant könnte es sein für die Gründung einen Dienst wie trigami zu nutzen. Trigami ist ein Vermittler von bezahlten Blogposts und man erhält so die Möglichkeit zum Start des Unternehmens ein paar Beiträge in der Blogosphäre zu bekommen. Die Konditionen und Preise entziehen sich leider meiner Kenntnis aber es dürfte je nach Kampagne nicht all zu teuer sein.

Ein weiteres Stichwort für Gründer PR ist Suchmaschinen Marketing. Ist zwar mit Kosten verbunden aber für Gründungen ebenfalls interessant da man durch ein Budget die Ausgaben eingrenzen kann. Mit sogenannten Google Adwords kann man zielgerichtet Anzeigen zu Keywords schalten lassen, über die potenzielle Kunden mit Hilfe von Google das Angebot des Startups finden können. Die Abrechnung erfolgt per Klick und durch das setzen eines Tagesbudgets sind die Kosten kalkulierbar.

Eine weitere Möglichkeit ist Linkmarketing durch Anbieter wie Linklift im deutschsprachigen Raum. LinkLift ist ein Marktplatz der den Kauf und Verkauf von redaktionelle Textlinks einfacher macht. Durch den Kauf und das Setzen von Links auf themenrelevante Seiten erhält das noch junge und unbekannte Startup direkten Traffic und mehr Linkpopularität, durch die das Angebot vom Interessenten dann besser in Suchmaschinen gefunden werden kann.

Wie kann ich meine PR-Aktivitäten Überwachen?

Voraussetzung für eine Überwachung ist natürlich erst einmal, dass über mich geschrieben wird :) Ist das einmal geschafft ist man natürlich auch daran interessiert zu erfahren wer und was geschrieben wird. Die einfachste Möglichkeit PR Aktivitäten und erschienene Beiträge einzufangen ist die Nutzung von News Diensten wie Google News und Technorati (für Blogosphäre). Dort einfach als Keyword den Namen der Firma und nach Bedarf weitere relevante Keywords benutzen und schon verpasst man keinen Beitrag mehr übers eigene Unternehmen. Will man das nicht selber machen kann man den Service auch gern an Presseclipping Agenturen wie Cision abgeben und diese übernehmen dann das Monitoren und liefern regelmäßige Berichte. Dies verursacht natürlich wieder kosten und macht für Starups wenig Sinn.

Prinzipien für erfolgreiche Pressearbeit?

Fakt ist, Pressearbeit ist ein “Geben & Nehmen”. Beide Seiten müssen etwas davon haben. Das Startup die gewünschte PR und der Journalist einen guten Artikel für sein Ressort. Möglichkeiten und Mittel dahin zukommen gibt es viele aber nur einige machen für Gründer Sinn. Wenn man versucht den Journalisten und seine Arbeit zu verstehen und ein paar grundlegende Punkte hinsichtlich der Herangehensweise beachtet, dann hat man gute Chancen das für beide Seiten eine zufriedenstellendes Ergebnis dabei herauskommt. Dabei ist es wichtig zu sich selbst und dem Journalisten immer ehrlich zu sein. Man sollte sich nicht als “tollen Hecht” verkaufen sonders die Karten auf den Tisch legen. Startups sind nun mal klein und ein Redakteur weiß Ehrlichkeit meist mehr zu schätzen als eine maßlos übertriebene Selbstdarstellung des Unternehmens. Man sollte sich um den langfristigen Aufbau von Beziehungen zu Journalisten bemühen. Auch wenn daraus vielleicht bei einem Kontakt nie ein Artikel wird kann es bei zwei Anderen dann klappen und dann hat es sich schon gelohnt. Verständnis und Geduld sollte man sich auf die Fahne schreiben und wie so immer im Leben gilt es dran zu bleiben um Erfolg zu haben. Aber diese Eigenschaften sollten Unternehmer ja sowieso mitbringen, oder?

In diesem Sinne.

Tags: Gründertipps |

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