So ist das. Schon wieder ein Interview. Aber keine Angst. Der Thinkomat soll keine Konkurenz zum interview-Blog werden :). Das hat sich halt so ergeben und es freut mich ganz besonders, dass mir der Mann Rede und Antwort steht der mit derzeit ca. 200 geführten Interviews in seinem interview-Blog immer wieder für reichlich interessanten Lesestoff sorgt. Klaus-Martin Meyer verrät unter anderem wie er zum Blog gekommen ist, was er sonst noch so macht und wo er gern hin möchte. Aber lest mal selbst.
Thinkomat: Hallo Klaus-Martin. Du bist einer der Mitinitiatoren des Interview-blogs, den es seit September letzten Jahres gibt. Wie bist du auf die Idee gekommen so was zu machen und hast du selber damit gerechnet, dass es so ein Erfolg wird?
Klaus-Martin Meyer: Die Idee ist mir aufgrund von zwei Interviews gekommen, die ich nach dem gleichen Strickmuster wie jetzt im Interview-Blog für marketing.blog.biz geführt habe. Ich habe mit dem Erfolg nicht wirklich gerechnet, aber diesen offengestanden von Anfang an für möglich gehalten. Dachte aber nicht, dass die Interview-Partner (darunter die CEO’s von OpenBC / Xing und AOL Deutschland und Dein Chef war auch schon mit von der Partie) so bereitwillig sein würden, Interviews zu geben.
Thinkomat: Was macht der Mann hinter dem interview-Blog sonst so? Kann man vom Blog leben oder gibt es noch andere Tätigkeiten bzw. Projekte?
Klaus-Martin Meyer: Ich bin hauptberuflich angestellt bei der telefon.de Handels AG in Osnabrück, wo ich mich um das Internetmarketing kümmere. Im Rahmen dieser Tätigkeit blogge ich gewissermaßen (allerdings u.a.) hauptberuflich auf http://blog.telefon.de. Dieses Blog dient der Kundenbindung und Kundengewinnung für den Online-Shop telefon.de. Hier sind wir aber noch ganz am Anfang.
Leben können die meisten Leute vom Bloggen sicher nicht. Es ist vermutlich wie mit den Schauspielern in Hollywood. Dort antworten sicher auch viele zehntausend Menschen auf die Fragen, was sie beruflich machen mit „Schauspieler“. Leben können aber nur mehrere hundert von der Schauspielerei. In meinem Fall ist es so, dass das Blog eine Menge interessanter Kontakte mit sich bringt und man in bezug auf manche Themen einfach auf dem Laufenden bleibt. Es ist auch schon ein Nebenjob für Suchmaschinen-Optimierung bei einem Interview-Partner „abgefallen“.
Eine weitere private Nebentätigkeit ist das Bloggen für www.hanf.org. Das Konzept ist ähnlich wie für meinen Arbeitgeber im Telefonbereich. Hier sollen neue Kunden für Produkte aus dem nachwachsenden Rohstoff Hanf gewonnen werden, eins meiner Lieblingsthemen.
Thinkomat: Wenn ich mir meine letztens erstellte Liste mit Interviews der Gründerszene anschaue, dann wurde ein großer Anteil davon von dir geführt. Nach welchen Kriterien suchst du dir deine Interviewpartner aus und wie werden die Interviews letztendlich geführt?
Klaus-Martin Meyer: Die meisten Interview-Partner schreibe ich einfach an, ob Sie Interesse an einem Interview haben. Wenn die Frage bejaht wird, schicke ich eine E-Mail mit in der Regel fünf Fragen. Fünf von zehn Interviews kommen dann kurzfristig zurück, weiter vier kommen dann nach einer „Anmahnung“. Jeder zehnte lässt nichts mehr von sich hören (am unzuverlässigsten sind übrigens die Interview-Partner aus der Rubrik Politik). Das Aussuchen erfolgt in aller Regel nach dem Kriterium „Interesse“. Interessiert mich ein Thema oder ein Start-up, dann wird sofort eine Einladung zum Interview verschickt. Die meisten Inspirationen bekomme ich durch die Lektüre von excitingcommerce. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Jochen Krisch für die Anregungen und das regelmäßige Zitieren unserer Interviews!
Thinkomat: In so einem Interview steckt ja auch jede Menge Arbeit drin. Recherche, Formulierung, Veröffentlichen etc. Wie sieht so ein Prozess bei dir im Detail aus. Schwirren dir schon vorher Fragen im Kopf rum, recherchierst du noch mal genau. Verrat uns das mal.
Klaus-Martin Meyer: Da das wichtigste Einladungskriterium „Interesse“ ist, fällt es in der Regel nicht schwer Fragen zu stellen. Ich frage eigentlich mehr oder weniger Dinge, die mich interessieren. Zudem lasse ich mich von der Webseite des Interviewpartners inspirieren.
Thinkomat: Bei so vielen Leuten, die du im Gespräch hattest, keine Ahnung wie viele es inzwischen schon waren, lernt man die auch mal persönlich kennen oder bleibt es meist beim Interview Kontakt?
Klaus-Martin Meyer: Puh, gute Frage. Spontan fällt mir niemand ein, den ich schon persönlich getroffen hätte. Vor zwei, drei Wochen habe ich aber mal mit einem Interview-Partner telefoniert, weil es sich bei der Arbeit so ergab. Der Kontext hatte aber nichts mit dem Interview zu tun. Es war aber dennoch ein ganz netter Aufhänger für das Telefonat.
Thinkomat: Zunehmend kann man beobachten, dass immer mehr Blogs Interviews veröffentlichen. Im best-practice-business Blog werden Interviews als Tipp für junge Blogs angeführt. Siehst du da eine Gefahr oder gar Konkurrenz für deinen Blog oder eher eine Bereicherung für die Blogosphäre?
Klaus-Martin Meyer: Ich habe da keinen Stress mit. Das gibt sicher wieder neue Anregungen. Schon rein zeitlich könnte ich alleine nicht die ganze Menschheit interviewen. Am Anfang hatten wir schon die Sorge, dass unser Konzept kopiert würde. Deshalb haben Friedrich Kronenberg und ich da besonders viel Gas gegeben, weil wir dachten, dass die meisten Leute sicher nur einem Blog ein Interview geben würden. Inzwischen haben wir mit den ca. 200 Interviews eine ganz ordentliche Referenz. Zudem ist unser Engpass eher die mangelnde Freizeit als ein Mangel an Interviewpartnern.
Thinkomat: Gibt es einen Menschen, den du unbedingt gern mal Interviewen würdest?
Klaus-Martin Meyer: Da gibt es viele: Roger Waters (Pink Floyd), Caroline Whitfield (Blackwood Distillers), Richard Branson (Virgin), Roland Schwertner (Nomos Glashütte), Reinhold Stratz (Ex-Vorstand NT plus AG) Steven Jobs, George Soros.
Thinkomat: In deinen Interviews gibt es das Ritual der Standardfrage.
Die möchte ich dir auch nicht vorenthalten. Wie werden sich Interviews in Blogs deiner Meinung nach entwickeln und wo siehst du den Interview Blog in fünf Jahren?
Klaus-Martin Meyer: Da Interviews auch in den Printmedien seit Jahrhunderten funktionieren, werden sie auch in Blogs in fünf Jahren noch stattfinden. Der Interview-Blog wird bis dahin sicher >1000 Interviews angesammelt haben und vielleicht auch mal ein paar Euros abwerfen. Hoffentlich kommen die Interview-Partner bis dahin alle von sich aus auf uns zu. Toll wäre es, wenn 100% der Interviews ohne Anmahnen noch am gleichen Tag zurückkommen.
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