Ich hab mir die ganze Zeit schon mal vorgenommen die Gründer von interessanten Geschäftsmodellen und Ideen zu befragen. Dabei möchte weniger den Focus auf das Modell legen, sondern mehr auf Idee, Ideenfindung und -entwicklung. Auf Latengo bin ich durch ihre ToDo Liste aufmerksam geworden und hab Dirk Rudolf von Latengo gleich mal danach gefragt.
Thinkomat: Hallo Dirk. Wie bereits im Interview Blog zu lesen ist bist du der Marketing Leiter von Latengo. Erzähl uns doch noch mal kurz worum es bei Latengo geht.
Dirk Rudolf: Hallo Marko, vielen Dank für die Möglichkeit, unser Projekt Latengo in deinem Blog vorzustellen. Bei Latengo handelt es sich um ein Internet Portal, in dem die Nutzer alle erdenklichen Inhalte online stellen und mit Ihrem Umfeld teilen können. Es gibt keine inhaltlichen Einschränkungen. Die Mitglieder können selber die Struktur und Darstellung der Inhalte bestimmen und somit selber festlegen, was sie gerne online veröffentlichen wollen. Allerdings haben wir über 20 Vorlagen erstellt, mit denen man z.B. mit nur einem Klick eine fertige DVD Sammlung erstellen kann. Diese Sammlung ist dann z.B. mit Amazon oder einer anderen Datenquelle verknüpft, von der man sich in wenigen Sekunden automatisch Einträge kopieren kann. Alle DVDs aus dem Regal sind so in nur wenigen Minuten bei Latengo. Interessant wird dies natürlich, wenn man den Freunden Zugriff auf diese Sammlung gewährt. Damit wissen die Freunde was man selber hat und ich weiß ebenfalls von meinen Freunden, welche DVDs, Bücher, CDs, Computerspiele, Fotos, etc. sie haben. Das sind aber alles wie gesagt nur Beispiele für Inhalte. Jeder bestimmt selber, was er dort online für sich und/oder anderen zur Verfügung stellt. Aktuell kommen die YouTube Sammlungen bei unseren Mitgliedern sehr gut an. Täglich werden immer mehr an Videos von YouTube in eine „Latengo Favoriten Sammlung“ übernommen. (automatisch über die YouTube API Schnittstelle). So bleiben die Freunde darüber informiert, welches die angesagtesten Videos sind…
Thinkomat: All zu oft existieren Geschäftsmodell von Startups die hier gegründet werden schon im Ausland. Wie sieht es da mit Latengo aus? Ist das Eure Idee oder habt ihr euch inspirieren lassen?
Dirk Rudolf: Nein, wir sind keine Copycat-Bude
Die Idee von Latengo hatte der Mitgründer Dieter Kartmann, der derzeit Theologie in Marburg studiert. Er brauchte für eine Hausarbeit ein griechisches Buch, welches neu über 100 Euro kosten würde. Dies war er nicht bereit auszugeben und wollte es sich lieber von einem seiner Kommilitonen ausleihen. Nur wusste er natürlich nicht, wer das Buch hat. Als er uns ein paar Wochen später im Büro besucht hatte und uns davon bei einer Tasse Kaffee erzählte, war die Idee in wenigen Minuten geboren. Zwei Wochen später war das Konzept fertig, vier Wochen nach dem Besuch fingen wir mit der Entwicklung an. Auch nach sehr intensiven Recherchen haben wir derzeit noch keine andere Seite gefunden, die genau das machen oder machen wollen wie wir.
Thinkomat: Eigene Ideen zu haben und diese in ein Unternehmen umzusetzen hat den Vorteil, dass man der Erste damit auf dem Markt sein kann. Aber auch so genannte Copycats wie StudiVZ können sehr erfolgreich sein. Welche Art der Ideenfindung ist deiner Meinung nach Erfolgversprechender und vielleicht auch spannender?
Dirk Rudolf: Erfolgsversprechender sind Copycats, spannender ist es die eigenen Ideen umzusetzen. Copycats haben den großen Vorteil, dass man genaue Vorlagen (und damit natürlich auch genaue Vorgaben) hat. Man muss das Vorbild „nur“ genau analysieren und „nachmachen“, wobei dies u.U. auch schon kompliziert genug sein kann. Bei eigenen Ideen fängt man auf dem Papier an, diskutiert, entscheidet, setzt es um, diskutiert, ändert es wieder, diskutiert, probiert es aus, diskutiert, hofft dass es funktioniert, etc, etc. Uns geht es so, dass wir genau wissen, was eine Funktion machen soll. Diese ist dann in der Regel auch relativ schnell umgesetzt. Komplizierter ist es jedoch, die Sichtweise auf die Funktion sinnvoll und bestmöglich zu implementieren – und zwar so, dass alle Mitglieder die Funktion optimal nutzen können.
Thinkomat: Eure ToDo List der Programmierer online zustellen und die User abstimmen zu lassen was sie haben wollen finde ich eine super Idee. Ähnlich nach dem Digg Prinzip machen das ja auch Dell (Dell Ideastorm) und Yahoo (Suggestion board). Das hat den Vorteil dass, die Community und deren Wünsche und Wissen immer weiter in Unternehmensentscheidungen integriert werden. Wie ist euch die Idee gekommen und können wir noch mehr spannendes in diese Richtung erwarten?
Dirk Rudolf: Die Idee, die Todo Listen öffentlich zu machen, kam uns vor einigen Wochen. Ausgangspunkt war ein Bericht von Martin Ötting über Marketing im Web 2.0. Hierzu hat Ortwin in unserem Blog einen ausführlichen Beitrag geschrieben. Wir müssen erstmal selber damit experimentieren und herausfinden, wie wir und unsere Mitglieder damit zurechtkommen. Bis jetzt haben wir innerhalb einer guten Woche über 60 Einträge in der Liste und werden Mitte nächster Woche mit der Umsetzung der führenden Vorschläge beginnen. Geplant ist es, dass wir einmal pro Woche die Aufgaben mit den meisten Bewertungen jeweils in die ToDo-Listen der einzelnen Entwickler übernehmen. Insbesondere hier müssen wir sehen, ob das so funktioniert, oder ob wir den Ablauf der Umsetzung irgendwie ändern/anpassen müssen. Heute haben wir eine interne Message von einem (neuen) Mitglied bekommen. Unser Mitglied hatte das Problem, dass es den Link zum Hinzufügen einer neuen Sammlung nicht gefunden hatte und hat uns gleich angeboten, uns die „Erfahrungen in den ersten Tagen“ per Mail zuzuschicken. Das finde ich klasse. Ich kann mir z.B. eine neue Feedback Sammlung vorstellen, wo jeder öffentlich Kommentare zu der Seite abgeben und mit Anderen darüber diskutieren kann. Während in der ToDo Liste Features oder neue Funktionen vorgeschlagen werden, können in der Feedback Sammlung Erfahrungen, Navigationspunkte, negative und positive Punkte diskutiert werden. Darüber denken wir nach.
Thinkomat: Eine offene Kommunikation wie mit ToDo List könnte nicht nur für die User interessant sein Auch der Wettbewerb könnte sich genötigt fühlen mal vorbeizuschauen. Siehst du da Gefahren?
Dirk Rudolf: Nein, da sehe ich eigentlich keine Probleme. Das wäre doch für unsere Mitglieder perfekt: Sie könnten genau sehen ob Sie zurecht Mitglied bei uns sind, oder ob Sie besser bei dem Wettbewerber aufgehoben sind – also wer die geforderten Funktionen schneller umsetzen kann ;-))
Thinkomat: Euer Team ist ja auch nicht das kleinste. Ganze 15 Leute zähle ich auf eurer Seite. Du bezeichnest dieses Team mit einem Durchschnittsalter von 24-27 Jahren als jung und kreativ. Wie fördert ihr diese Kreativität. Gibt es bestimmt Techniken die ihr anwendet? Macht ihr beim Frühstück tägliches Brainstorming? Gibt es eine große Pinnwand? Haben eure Mitarbeiter täglich 1 h Zeit für eigene Ideen (ähnlich wie bei Google �) oder so was?
Dirk Rudolf: Wir reden einfach. Über privates, über technisches über dies und das… Nicht allzu selten gehen die Themen dann in Ideen über, wie man Latengo auf Basis von Alltags-Problemen verbessern oder erweitern könnte. Jeder wird gehört, vom Gründer, über Angestellte und Praktikanten. Jeder kann seine Ideen einbringen und auch durchsetzen. Genau das macht uns so stark. Es gibt so gut wie keine Hierarchie innerhalb des Teams. Ein konkretes Angebot an die Mitarbeiter, 1h pro Tag für eigene Ideen zu nutzen haben wir nicht ausgegeben. Wenn jemand eine Idee hat, spricht man darüber und prüft gemeinsam, ob es Sinn macht, dies dann auch umzusetzen und wann.
Thinkomat: Ideen kommen oft Blitzartig und unerwartet. Das sind zumindest meine Erfahrungen. Dann ist es praktisch diese zu notieren. Hast du ein Notizbuch für so was?
Dirk Rudolf: Ja, ich habe ein Notizbuch, viele Schmierzettel und ein Flipchart steht ebenfalls direkt neben meinem Schreibtisch für Geistesblitze bereit. Die Notizbücher sind alle A5, kariert und ohne Rand. So kann ich am Besten arbeiten
Mein Kollege Ortwin hat sogar immer 3-4 Notizbücher parallel im Einsatz. Es auf dem Schreibtisch, eins neben seinem Bett, es im Wohnzimmer und eins im Auto. Ich frage mich schon wann er sich ein Notizbuch für die Hosentasche anschafft in dem er notiert, in welchem Notizbuch er was notiert hat ;-)) Aber auf der anderen Seite muss man nun mal alles gleich irgendwo festhalten, wenn man ständig mit neuen Ideen und Konzepten konfrontiert wird. ![]()
1 Antwort bis jetzt ↓
1 Liste mit Interviews der Deutschen Gründerszene von A-Z | Thinkomat - Die Ideenentwicklungsmaschine // Mar 18, 2007 at 13:56
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